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amnesty international informiert:
TODESSTRAFE
- ARGUMENTE PRO UND KONTRA
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17 Jahre, 8 Monate und 1Tag in der Todeszelle
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Juan Melendez sprach am 6.
und 7. Februar in Soest
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| „Mein größter
Fehler war, als ich aufhörte auf die guten Ratschläge meiner
Mama und meiner Lehrer zu hören“, sagt Juan Melendez. Vielleicht wäre
er dann nie in die USA gegangen, um als Erntehelfer Geld zu verdienen.
Vielleicht wäre er dann in Puerto Rico geblieben und hätte nie
ein Gefängnis von innen gesehen. Vielleicht. Doch Juan ging in die
USA, als Gastarbeiter. „Ich konnte nur fünf Worte Englisch, davon
waren drei Flüche.“ |
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Juan Melendez bei seinem Vortrag im Bürgerzentrum. |
| Juan arbeitete mal hier,
mal da, wo es Arbeit gab. Am 2. Mai 1984 war er auf einer Farm in Pennsylvania
beschäftigt, als Polizei anrückte. Alle mussten sich auf den
Boden legen. Juans Name wurde gerufen. Er meldete sich. Die Polizisten
sahen nach, ob ihre Beschreibung stimmte. Sie stimmte. Juan hatte die Zahnlücke
und das Tattoo auf dem linken Arm. |
Im Handumdrehen fand sich
Juan in einem Polizeitransporter wieder und wurde nach Florida verfrachtet.
Dort wurde er gesucht – wegen Mordes.
„Ich konnte kein Englisch
und hatte kein Geld für einen Verteidiger“, berichtet Juan. Der Bundesstaat
Florida stellte ihm einen |
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Pflichtverteidiger zur Seite.
Der klopfte ihm auf die Schulter: „Mach dir keine Sorgen. Du kommst hier
raus.“ Engagement, um den Angeklagten herauszuholen zeigte der Jurist in
dem einwöchigen Verfahren allerdings nicht. Eine bis auf einen Schwarzen
nur mit Weißen besetzte Jury befand ihn schuldig: Todesstrafe. |
Am 2. November 1984
wurde Juan Melendez in den Todestrakt von Florida eingewiesen. Er war einer
von 248 anderen Todeskandidaten in dem Gefängnis.
„Ich gehe nicht auf den
elektrischen Stuhl“, schwor er sich. Juan machte Krafttraining, versuchte
die Wächter mit seinen Muskeln zu beeindrucken. Natürlich vergeblich.
„Du musst erst mal Englisch
sprechen und lesen und schreiben“, machten ihn Mitgefangenen mit den Grundlagen
für ein Überleben im Todestrakt vertraut. „Sie brachten mir alles
bei“, ist Juan dankbar.
Zehn Jahre war er schon
im Todestrakt, als er das erste Mal ernsthaft mit dem Gedanken spielte,
seinem Leben ein Ende zu setzen. Er besorgte sich eine Plastiktüte,
ein im Todestrakt erprobtes Selbstmord-Werkzeug. Aus der Tüte drehte
er sich einen Strick, um sich damit am Fenster aufzuhängen. Bevor
er ernst machte, fiel sein Blick auf sein Bett und er beschloss, noch eine
Nacht über seinen Entschluss zu schlafen. „In dieser Nacht hatte ich
einen Traum“, berichtet Juan. Einen Traum von der paradiesischen Landschaft
Puerto Ricos und von seiner Mutter, die am Strand steht. Juan beschloss
weiterzuleben, für sein Leben zu kämpfen. |
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Mehr als 200 Zuhörer verfolgten den Vortrag von Juan Melendez im Alten
Schlachthof. Fotos: Martin Huckebrink |
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Seine Mutter und die Tanten
schickten ihm unzählige Briefe in den Knast. Auch fremde Menschen
aus anderen Ländern, die von seinem Fall gehört hatten, schrieben
ihm „Ohne diese Unterstützung hätte ich nicht weiterleben können.“
Seine Mutter versicherte ihm immer wieder, dass sie an seine Unschuld glaube
und dass Gott für ihn sorgen werde.
Im Gefängnis entdeckt
Juan Melendez die Kraft der Religion wieder. Dass er am Ende den Todestrakt
als freier Mann verlassen konnte, ist für ihn ein göttliches
Wunder. Das Amulett mit der Jungfrau von Guadalupe trägt er immer
um seinen Hals.
17 Jahre, acht Monate und
einen Tag musste Melendez im Todestrakt verbringen. Kakerlaken und Ratten
in den Zellen waren Alltag. Schikanen und verweigerte medizinische Hilfe
ebenfalls. „Warum soll man noch jemanden ärztlich versorgen, der sowieso
bald auf den elektrischen Stuhl geht?“
Appelle scheitern, das Urteil
gegen Melendez hat Bestand. So lange, bis sein ehemaliger Verteidiger Richter
in dem für Melendez zuständigen Distrikt wird. Das ist seine
Chance, denn bei einer Wiederaufnahme gibt es jetzt einen Interessenskonflikt,
weil der ehemalige Verteidiger nun Richter ist. Das Verfahren kommt deshalb
in einen anderen Distrikt vor Gericht. Hier befasst sich die Richterin
Barbara Fleischer mit dem Fall und lässt sich die kompletten Akten
kommen. Darunter ist auch ein Tonband mit dem Geständnis des wahren
Mörders. Schon vor Prozessbeginn im Jahre 1984 hatte es dem Pflichtverteidiger
vorgelegen, doch der hatte es nicht beachtet. Richterin Fleischer verfasst
ein umfangreiches Dossier und übt heftige Kritik an der Justiz. Die
Staatsanwaltschaft lässt daraufhin die Sache fallen und Melendez wird
entlassen. Nach 17 Jahren, acht Monaten und einem Tag im Todestrakt für
ein Verbrechen, das er nicht begangen hatte, bekommt er 100 Dollar,
ein Hemd und eine Hose.
„Ich wollte wieder den Mond
und die Sterne sehen und im Gras laufen“, sagt Melendez. Mit seiner Entlassung
ist ihm aber auch klar, dass er gegen die Todesstrafe kämpfen muss.
Seitdem ist er ständig unterwegs – in den USA und in Europa, erzählt
sein Leben und ruft zum Kampf gegen die Todesstrafe auf. Er hat den Verein
„Voices United for Justice“ (www.voicesunited4justice.com)
gegründet, um gegen die Todesstrafe mobil zu machen.
Am 6. und 7. Februar 2006
war Juan Melendez auf Einladung von amnesty international in Soest. Mehr
als 200 Menschen besuchten die öffentliche Veranstaltung am Montagabend
im Bürgerzentrum. Noch nie war ein ai-Angebot in Soest so gut besucht.
Am nächsten Vormittag sprach Juan Melendez im Conrad-von-Soest-Gymnasium.
550 Schülerinnen und Schüler aus den drei Soester Gymnasien und
der Gesamtschule waren zu der Veranstaltung gekommen. Die Nachfrage war
so groß, dass auch ein doppelt so großer Saal problemlos hätte
gefüllt werden können. „Beeindruckend“, kommentierten Besucher
den temperamentvollen Vortrag von Juan Melendez. Da er Englisch mit
spanischem Akzent spricht, mussten sich die Besucher erst „hineinhören“.
Das klappte allerdings gut, zumal ai-Gruppenmitglied Frank Schindler die
Ausführungen kurz auf deutsch zusammenfasste.
„Kämpft gegen die Todesstrafe!
Eure Stimmen werden in Amerika gehört!“, ermunterte Juan Melendez
seine Zuhörer, selber aktiv zu werden.
Martin Huckebrink
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| Über Juan Melendez:
Am 3. Januar 2002 wurde Juan
Melendez nach 17 Jahren, acht Monaten und einem Tag, die er als Unschuldiger
im Todestakt von Florida verbrachte, aus der Haft entlassen.
Er war der 99. Mensch, der
seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahre 1976 aus einem
US-Todestrakt entlassen wurde. Mittlerweile sind 122 Menschen, die unschuldig
zum Tode verurteilt worden waren, wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Juan Melendez wurde
1951 als Sohn einer puertorikanischen Familie in
Brooklyn geboren. Er wuchs
aber in Puerto Rico auf und sprach bis zu seinem Aufenthalt im Todestrakt
kaum englisch.
Im Jahre 1984 wurde Melendez
in Pennsylvania, wo er als Erntehelfer
arbeitete, für den
Mord an Delbert Baker verhaftet. Nur aufgrund von Aussagen zweifelhafter
Zeugen wurde er in einem nur fünftägigen Prozess zum Tode verurteilt.
Trotz Einspruchs bestätigte
der Supreme Court von Florida das Todesurteil insgesamt dreimal.
Ende 2000 tauchte ein Tonband
auf, auf dem der wahre Mörder seine Tat gestand. Das hatte er zwar
auch schon vorher anderen Menschen gegenüber getan, doch erst jetzt
fand er vor der Justiz Gehör.
Nach über 17 Jahren
öffneten sich für Juan Melendez die Türen zur Freiheit.
Er hat es sich seitdem zur
Lebensaufgabe gemacht, seine Geschichte zu erzählen und so über
die Unmenschlichkeit der Todesstrafe aufzuklären.
Als Melendez am 3. Januar
2002 entlassen wurde, bekam er eine Hose, ein Hemd und 100 Dollar. Sonst
nichts. Kein Geld, keinen Betreuer, keine Hilfe, um die Folgen der Haft
zu verarbeiten und sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. |
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| Die Deutschland-Tour von
Juan Melendez wird organisiert von den folgenden Gruppen: ALIVE - Koalition
gegen die Todesstrafe (Homepage: www.todesstrafe-usa.de),
amnesty international (Homepage: www.amnesty.de),
Initiative gegen die Todestrafe e.V. (Homepage: www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de)
und Innocent in Prison Project International (Homepage: www.iippi.org).
Näheres über die gesamte Tour unter www.juan-melendez-tour.de
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